Was bei einem Haushaltsunfall zu tun ist

Berlin – Während die Risiken des Straßenverkehrs allgemein bekannt sind, werden Gefahren im eigenen Heim häufig unterschätzt. Dabei geht es nicht nur um kleine Kratzer: Nicht selten enden Unfälle im Haushalt sogar tödlich.

So sind
laut Statistisches Bundesamt 2017 in Deutschland etwa 11.000 Menschen durch Haushaltsunfälle gestorben – im Vergleich zu rund 3300 Verkehrstoten.

Und eine weitere Zahl springt ins Auge: «Jährlich haben vier Millionen Menschen in Deutschland Arztkontakt nach einem Haushaltsunfall», sagt Tobias Helfen. Er ist Facharzt für Orthopädie, Unfallchirurgie und Notfallmedizin am Klinikum der Universität München (KUM). Die Fälle reichten von Stürzen von der Leiter beim Fensterputzen bis hin zu dem Kind, das unbemerkt Reinigungsmittel trinkt.

Kinder und Ältere besonders gefährdet

«Insgesamt sind besonders Kinder und Ältere gefährdet», sagt Prof. Peter Sefrin. Kinder, weil sie die Gefahren noch nicht kennen, und Ältere, weil sie nicht mehr so sicher und widerstandsfähig seien, erläutert der Bundesarzt des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). «Bei Kindern kommt es häufig zu Verbrennungen und Vergiftungen. In beiden Fällen kann es lebensgefährlich werden.»

Aber auch die Gefahr durch Stürze ist nicht zu unterschätzen. Unter den Haushaltsunfällen kommen sie mit großem Abstand am häufigsten vor, sagt Susanne Woelk, Geschäftsführerin der Aktion «Das Sichere Haus» (DSH). «Die Verletzungen reichen von harmlosen Prellungen über Knochenbrüche an Armen und Beinen bis zum Schädelbasisbruch.» Am stärksten seien Ältere ab 65 Jahren gefährdet. «Das Sturzrisiko steigt mit dem Alter.»

Auf den Arzt zu warten, ist oft keine Option. Im Gegenteil: Erste Hilfe kann lebenswichtig sein, auch in den eigenen vier Wänden.

Wie man zu Hause Erste Hilfe leistet

Was also ist zu tun? «Die Nummer 112 kennt jeder, sinnvoll ist es aber auch, die Telefonnummer des nächstgelegenen Gift-Informationszentrums gut sichtbar in der Nähe des Telefons zu haben», rät Woelk. Beim Giftnotfall spielen nicht nur Chemikalien eine Rolle: Es könnten auch Pflanzen im Garten sein, etwa Tollkirsche oder Stechapfel, und dabei reichten schon geringe Mengen, so Sefrin.

Wichtig ist direkt nach dem Unfall auch Eigenschutz, vor allem bei Strom- und Gasunfällen. «Sonst will ich helfen und liege dann auch daneben», sagt Helfen. Ist der Notarzt auf dem Weg und die eigene Sicherheit gewährleistet, kann man anderen helfen. Zu den Maßnahmen gehören: die stabile Seitenlage, die Herz-Lungen-Wiederbelebung und die Blutstillung. Diese können zwischen Leben und Tod entscheiden.

In den etwa zehn Minuten, die zwischen Notruf und Eintreffen der Rettungskräfte durchschnittlich vergehen, können auch andere Hilfsaktionen notwendig sein: So kommt es daheim regelmäßig zu Verbrennungen, etwa wenn ein Kind eine Tasse mit heißem Kaffee vom Tisch zieht. Bei Brandverletzungen gilt: Kühlen, aber nicht zu viel.

Nicht alles aus alten Kursen noch aktuell

Betroffene Patienten kämen oft unterkühlt in der Klinik an, sagt Helfen. Weil durch die verletzte Hautbarriere ohnehin mehr Wärme verloren geht, rät er zu gemäßigtem Kühlen. «Normal temperiertes Wasser reicht, es muss nicht der Eisbeutel sein», so Helfen. Und nach zehn Minuten sei der Nachbrenneffekt vorbei, dann reiche es auch.

Genauso gilt es bei Knochenbrüchen, alte Annahmen zu überdenken: «Früher dachte man, man müsse schienen. Heute ist das aber nicht mehr erforderlich», sagt Sefrin. Der Rettungsdienst habe da bessere Möglichkeiten. Für die Erste Hilfe durch den Laien reicht es aus, anderweitig zu stabilisieren. So rät Sefrin bei einem Beinbruch: «Man kann eine Decke oder einen Gegenstand ans Bein legen, um Bewegung zu verhindern». Damit vermeide man Schmerz und weitere Verletzungen.

Mehr als nur ein Erste-Hilfe-Kurs

Wer sich nicht ganz sicher ist, in welchem Rhythmus man Herzmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung ausführt, kann sein Wissen bei einem Erste-Hilfe-Kurs auffrischen. Auch für spezielle Zielgruppen werden Kurse angeboten, etwa für Eltern oder Leute, die sich um Senioren kümmern. Aber eigentlich sollte laut Experten jeder einen machen.

Noch besser ist es aber, wenn es gar nicht erst zu einem Unfall kommt: «Nicht erst handeln, wenn’s passiert ist, sondern schon vorher präventiv aktiv werden», mahnt Helfen. So kann eine umsichtig platzierte Anti-Rutsch-Matte, die angemessene Schutzkleidung beim Heimwerken oder der sicher verriegelte Reinigungsschrank gewiss das eine oder andere Unglück abwenden.

Fotocredits: Christin Klose,Christin Klose,Bodo Marks,DSH,A. Steeger
(dpa/tmn)

(dpa)

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