Dentalmuseum in Colditz: Kaumaschine und Zahnhebel

Colditz (dpa/sn) – Für schwache Nerven sind die Exponate nichts. Furchteinflößend ist auch ein sogenannter Pelikan. Ab 1320 diente er zum Herausbrechen der Backenzähne. Das eiserne Werkzeug mit Abstützplatte und langem Haken ist eines von etwa 500 000 Stücken im Dentalmuseum in Colditz bei Leipzig.

Auch martialisch anmutende Handbohrer, Zahnhebel und Goldplombierhämmer zeigt die wohl größte derartige
Schau in Deutschland. Zusammengetragen hat sie Andreas Haesler, der selbst Zahntechniker ist. Werke aus 170 Bibliotheken aus dem In- und Ausland gehören ebenfalls dazu. «Erst jüngst habe ich die Bestände des Dentalhistorischen Institutes in Wien nach Colditz holen können», sagt Haesler.

Die nach Angaben des Sammlers älteste Zahnarztpraxis der Welt aus dem Jahre 1750 gehört zu den neuesten Exponaten, sie ist erst seit kurzem zu sehen. Es ist das Behandlungszimmer des Hofzahnarztes von Friedrich II., Philipp Pfaff. Zum Teil sind es Original-Gegenstände, zum Teil bauten Haesler und seine drei Mitstreiter die Einrichtung nach. «Viele Stunden Recherche und drei Jahre Arbeit hat es gedauert, um jedes Detail originalgetreu aussehen zu lassen», berichtet der Endfünfziger, der ein Dentallabor im benachbarten Altenhain führt.

Zahnmedizinische Sammlungen gibt es in der Regel in Deutschland an den Universitäten. Nach Angaben der Koordinierungsstelle für wissenschaftliche Universitätssammlungen in Berlin existieren acht rein zahnmedizinische Kollektionen, keine davon hat eine Ausstellungsfläche von mehr als 250 Quadratmetern. In Colditz präsentiert Haesler Exponate auf 300 Quadratmetern, hinzu kommen 3000 Quadratmeter der wissenschaftlichen Bibliothek mit zum Teil Jahrhunderte alten Schriften zur Zahnheilkunde.

Die Anfänge der Sammlung gehen auf das Jahr 1990 zurück. Damals kaufte Haesler eine Praxis eines Kollegen auf. Es sprach sich schnell herum, dass der Zahntechniker ein Faible für historische Gerätschaften hat. «Die Leute kamen auf mich zu und boten mir die Sachen an», berichtet er. Um alle Schätze unterzubringen, mietete er vier Häuser des Diakonischen Werkes an.

Mehr als 2500 Jahre sind manche Exponate alt: Dazu zählen Zahn- und Zungenreiniger aus dem Orient sowie Pinzetten und Spatel aus der römischen Zeit. Zu der Sammlung gehören zudem Zahnbürsten aus dem spanischen Königshaus und eine Dokumentation über Zahnanomalien. Auch einige Merkwürdigkeiten sind dabei: etwa eine «Kaumaschine» – eine Art Gebiss aus Kuhknochen.

Der Schatz von Haesler hat sich mittlerweile auch in der Filmbranche herumgesprochen. Für 46 Film- und Fernsehbeiträge hat das Museum schon Sprechzimmer eingerichtet. Darunter waren die Neuverfilmung der «Buddenbrooks», der Streifen «Mein Leben – Marcel Reich-Ranicki» und die Helge-Schneider-Filme «00 Schneider». «Zum Teil war ich sogar bei den Dreharbeiten dabei», berichtet Haesler.

Mir den Einnahmen finanziere er das Museum zum Teil, dennoch müsse er auch privat zuschießen, denn Fördermittel erhalte er keine. Etwa 2000 Besucher, auch aus dem Ausland, kämen jährlich – sein Ziel seien 20 000.

Service:

Das Dentalmuseum ist von Mittwoch bis Sonntag 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr geöffnet.







Fotocredits: Jan Woitas,Jan Woitas,Jan Woitas,Jan Woitas,Jan Woitas,Jan Woitas,Jan Woitas

(dpa)

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